Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge
Öffnungszeiten

November–März:
Di–Fr 10–16 Uhr
Sa, So, Feiertag 10–17 Uhr
- montags geschlossen -
Während der Wintermonate
sind Barockgarten und
Globushaus geschlossen

April–Oktober:
Mo-Fr 10-17 Uhr
Sa-So 10–18 Uhr

Volkskunde Museum Schleswig
Suadicanistraße 46-54, 24837 Schleswig
+49(0)4621 - 9676-0
volkskunde@schloss-gottorf.de

►WEGWEISER SCHLOSSINSEL

 

Ausstellung historischer Standuhren

Im Körnerhaus auf dem Schleswiger Hesterberg sind zhalreiche Standuhren zu bewundern (Foto: Schloss Gottorf)
 
Im Körnerhaus auf dem Schleswiger Hesterberg sind zhalreiche Standuhren zu bewundern (Foto: Schloss Gottorf)

20. Januar bis 21. April 2013

Erstmals seit fast vierzig Jahren zeigt das Volkskunde Museum 2013 wieder eine repräsentative Auswahl historischer Uhren aus Angeln und Nordschleswig. Im Herzogtum Schleswig erlebte das Uhrmacherhandwerk im 18. und 19. Jahrhundert seine Blütezeit. Dabei wurde die "Angelner Standuhr" zu einem Qualitätsbegriff für präzise gearbeitete Uhrwerke. Die Ausstellung im Körnerhaus "So geht die Zeit zur Ewigkeit" ist noch bis zum 21. April zu sehen.
In der Glanzzeit der Gottorfer Herzöge war Schleswig ein Zentrum der Wissenschaften. Herzog Friedrich III. (1616-1659) interessierte sich für Astronomie und Zeitmessung und beschäftigte Uhrmacher von europäischem Rang an seinem Hof. Auch unter der dänischen Herrschaft ab 1713 blieben viele gut ausgebildete Handwerker im Land und gaben ihr Wissen weiter.
Das Uhrmacherhandwerk entwickelte sich im 18. Jahrhundert besonders in der bevölkerungsreicheren Osthälfte des Herzogtums Schleswig. Regionale Schwerpunkte bildeten die Städte Schleswig, Flensburg und Apenrade, die Insel Alsen mit den Schlössern Sonderburg und Augustenburg und ganz besonders die Landschaft Angeln. Hier wuchs die Zahl der Uhrmacherwerkstätten seit Mitte des 18. Jahrhunderts sprunghaft an, und die Bezeichnung „Angelner Standuhr“ wurde weit über die Region hinaus zu einem anerkannten Qualitätsbegriff für präzise gearbeitete Uhrwerke, schön gestaltete Zifferblätter und repräsentative Gehäuse.
Untrennbar mit der Geschichte der Uhrmacherei in dieser Region verbunden ist die bedeutende Uhrmacher-Dynastie Tüxen, die seit 1713 über 300 Jahre und acht Generationen in Angeln nachweisbar ist. An ihrem Beispiel verfolgt die Ausstellung die Entwicklung der regionalen Uhrenproduktion über drei Jahrhunderte.
Mit der Sonderausstellung „So geht die Zeit zur Ewigkeit“ zeigt das Volkskunde Museum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf erstmals seit fast vierzig Jahren wieder eine kleine, aber repräsentative Auswahl von über achtzig historischen Uhren, die zum großen Teil in Angeln und Nordschleswig hergestellt worden sind. Neben die einzigartigen Objekte aus der reichen Sammlung des Landesmuseums treten in der Ausstellung wichtige Leihgaben aus öffentlicher und privater Hand.


Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 10-16 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 10-17 Uhr
Ab 23. März: täglich ab 10 Uhr

Eintritt
5 Euro / ermäßigt 3 Euro


Begleitprogramm
Sonntag, 3. Februar 2013, 14 Uhr 
Kuratorenführung mit Uhrmachermeister Helmut Tüxen, Westensee
(Kosten: Museumseintritt zzgl. 2€)

Sonntag, 3. Februar 2013, 15-17 Uhr
Uhren-Sprechstunde für Besitzer historischer Uhren
- Uhren können mitgebracht werden -
(Kosten: normaler Museumseintritt)

Sonntag, 17. März 2013, 14 Uhr 
Kuratorenführung mit Uhrmachermeister Helmut Tüxen, Westensee
(Kosten: Museumseintritt zzgl. 2€)

Sonntag, 21. April 2013, 11 Uhr 
Kuratorenführung mit Uhrmachermeister Helmut Tüxen, Westensee
(Kosten: Museumseintritt zzgl. 2€)

 

Vom Schmied zum Uhrmacher

Ganggenaue Zeitmesser gab es vor 1700 nur im höfischen und großbürgerlichen Bereich als kostbar gearbeitete Einzelstücke. In Stadt und Dorf richtete man sich nach der Kirchturmuhr, ansonsten gab es Sonnenuhren oder ungenaue, geschmiedete Wanduhren.
Erst die Erfindungen des frei schwingenden Pendels (1656) und der Hakenhemmung (1671) ermöglichten es, genau laufende Werke nach einheitlichem Prinzip herzustellen. Damit waren Uhren keine Kunstobjekte mehr – sie konnten nun von Handwerkern hergestellt werden. Der Beruf des Uhrmachers entwickelte sich aus dem Schmiedehandwerk, eine eigene Uhrmacherzunft gab es nie. Pendeluhren wurden im Herzogtum ab dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts gebaut – meist handelte es sich um Bodenstanduhren. Gleichzeitig rüsteten Uhrmacher vielerorts die Kirchturmuhren auf Pendelbetrieb um. 

1750-1850:
Die Blütezeit der Uhrmacherei im Herzogtum

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts führten Agrarreformen wie die Verkoppelung zu steigendem Wohlstand in den ländlichen Gebieten des Herzogtums. Damit nahm auch die Nachfrage nach repräsentativen Einrichtungsgegenständen deutlich zu. Spätestens um 1800 gehörte im Haus eines wohlhabenden Bauern und Bürgers neben Truhe und Dielenschrank auch eine Standuhr zur obligatorischen Einrichtung.
Das regionale Uhrmacherhandwerk erlebte seine Blütezeit. Die Zahl der Uhrmacherwerkstätten stieg vor allem in Angeln sprunghaft an. Selbst in kleinen Orten ließen sich manchmal gleich mehrere Uhrmacher nieder. Ausführung und Verzierung der Zifferblätter wurden kunstvoller, und die Werke erhielten häufig zusätzlich eine Mond- und Datumsanzeige.

Das Ende der handwerklichen Uhrenfertigung

Mitte des 19. Jahrhunderts war der Markt für repräsentative Standuhren weitgehend gesättigt. Wand- und Kaminuhren aus einheimischer Herstellung waren wenig gefragt. Die meisten Käufer entschieden sich für Produkte aus Süddeutschland oder England, wo sich industrielle Produktionsmethoden bereits durchgesetzt hatten. Uhrenfabriken wie etwa Junghans oder Lenzkirch im Schwarzwald stellten in großer Formenvielfalt hochpräzise Uhren her, die dank des preiswerten Gütertransports mit der Eisenbahn international angeboten werden konnten. Dieser Entwicklung hielten kleine handwerkliche Uhrenhersteller nicht stand – ihre Zahl nahm stetig ab.
Im Herzogtum mussten die verbliebenen Uhrmacher sich auf Reparaturarbeiten konzentrieren, daneben offerierten viele auch berufsfremde Dienstleistungen wie Glaser‑, Optiker- oder Gravurarbeiten. Auch der Handel gewann zunehmend an Bedeutung: Um 1900 betrieben Uhrmacher in der Regel neben ihrer Werkstatt einen Laden mit Marken-Taschenuhren, Bestecken und Schmuck.

Uhrmacher im 20. Jahrhundert

In der vormodernen ländlichen Welt spielte die Minute als Zeiteinheit keine große Rolle. Erst seit dem 20. Jahrhundert galt es auch hier, Arbeitszeiten oder Fahrpläne minutengenau durchzuplanen und pünktlich einzuhalten. Seither trägt praktisch jeder Erwachsene eine Uhr mit sich – bis in die 1940er Jahre handelte es sich dabei oft noch um eine Taschenuhr, später setzte sich die Armbanduhr durch.
Praktisch alle Uhrmacher betrieben neben ihrer Werkstatt Läden, die neben Uhren oft auch weitere technische Geräte führten. Nach dem 2. Weltkrieg erhielten solche Geschäfte allerdings zunehmend Konkurrenz durch Kaufhäuser und Versandhändler. In den 1970er und 80er Jahren überschwemmten billige Quarzuhren den Markt. Da deren Reparatur meist nicht lohnte, wurden Uhrmacherwerkstätten immer weniger gebraucht. Im ländlichen Raum sind Uhrmacher daher schon seit langem kaum noch zu finden.
In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an hochwertigen mechanischen Armbanduhren zwar wieder deutlich gewachsen – Herstellung, Vertrieb und oft sogar Wartung dieser Uhren befinden sich aber in den Händen weniger Konzerne.

Artikelaktionen