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Wikingerzeitlicher Herrschersitz in Birka entdeckt

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Rekonstruktionszeichnung der wikingerzeitlichen Phase des Herrschersitzes mit Langhaus und Kultbezirk. Rechts im Hintergrund das Handelszentrum Birka. Zeichnung: Jacques Vincent.
 
Rekonstruktionszeichnung der wikingerzeitlichen Phase des Herrschersitzes mit Langhaus und Kultbezirk. Rechts im Hintergrund das Handelszentrum Birka. Zeichnung: Jacques Vincent.

Unter Beteiligung des Schleswig-Holsteinischen Archäologen Dr. Sven Kalmring haben Wissenschaftler im schwedischen Birka nach dem Herrschersitz des königklichen Statthalters gesucht. Und wie die Universität Stockholm am 19. Januar veröffentlicht hat, ist man fündig geworden. Kalmring, Wissenschaftler am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) auf Schloss Gottorf in Schleswig, nennt die Untersuchungsergebnisse eine Sensation.

Seit Jahrhunderten wurde bereits darüber spekuliert, wo der Herrschersitz des königlichen Statthalters von Birka, Herigar, gelegen haben könnte. Aktuelle geophysikalische Untersuchungen belegen nun, dass sich dieser in der Hafenbucht Korshamn im Schatten des Stadtwalles der wikingerzeitlichen Handelsmetropole Birka befunden hat.
Im Frühling 2016 konnte eine große Zahl möglicher Hausterrassen in Birka-Korshamn durch die Verfasser identifiziert werden, woraufhin noch im September an dieser Stelle hochauflösende geophysikalische Untersuchungen mit Hilfe von Bodenradarmessungen durchgeführt wurden.
Korshamn, außerhalb der Stadtgrenzen der wikingerzeitlichen Handelsstadt Birkas gelegen, ist einer der Haupthafenbuchten der Insel Björkö im Mälarsee im östlichen Mittelschweden. Die Untersuchungen vor Ort belegen eine mächtige wikingerzeitliche Halle von zirka 40 Metern Länge. Anhand des Regressionsverlaufes des Mälarsees lässt sich diese vorläufig in die Zeit nach um 810 n.Chr. einordnen. Mit dem Hallenbau selbst war einst eine große eingezäunte Fläche verbunden, welche sich in Richtung Hafenbecken erstreckte.
„Diese Art von wikingerzeitlichen Hochstatusmilieus konnte bislang nur an sehr wenigen Plätzen Südskandinaviens beleget werden, darunter in Tissø und Lejre in Dänemark. Bekannt ist, dass gerade die umzäunten Bereiche dieser Herrenhöfe mit religiösen Aktivitäten verbunden waren“ sagt Dr. Johan Runer, Archäologe am Landesmuseum Stockholm.
Während der Feldforschungen wurde auch ein Vorgänger des wikingerzeitlichen Herrschersitzes identifiziert: Ein weiteres Hochstatusmilieu, dass schon während der Merowingerzeit bestand und somit bereits vor der Entstehung der wikingerzeitlichen Frühstadt Birka selbst vor Ort existierte.
Sowohl diese Art der beiden Strukturen selbst sowie deren chronologische Tiefe korrelieren deutlich mit dem bei Rimbert in der Vita des heiligen Ansgar bezeugten Erbgut des königlichen Statthalters Herigar. Letzterer wurde von Ansgar, Erzbischof von Hamburg-Bremen, bei seiner ersten Missionsreise nach Birka in Jahre 830 getauft und gestattete gar den Bau einer ersten Kirche auf seinem Grund und Boden.
„Für die Forschung können die Konsequenzen dieser Entdeckung gar nicht überschätzt werden: In Bezug auf die Entstehung der Handelsstadt Birka, deren königliche Administration und letztendlich für die frühe christliche Missionierung Skandinaviens selbst“, urteilt Dr. Sven Kalmring, Forscher am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig.
“Die Ergebnisse unterstreichen den Wert von zerstörungsfreien geophysikalischen Untersuchungen bei der Lokalisierung archäologischer Befunde und erweisen sich wieder einmal als unschätzbares Werkzeug für die Dokumentation eisenzeitlicher Baustrukturen in Skandinavien“, unterstreicht Dr. Andreas Viberg, Forscher am Archäologischen Forschungslabor der Universität Stockholm.

Die Forschungsarbeiten werden als Kooperation zwischen dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, dem Stockholmer Landesmuseum und dem Archäologischen Forschungslabor der Universität Stockholm durchgeführt.

Für weitere Informationen
Zur Wikingerzeit in Sweden und Birka
Dr. Sven Kalmring, Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie
Tel. 0049 4621 813 346, sven.kalmring@schloss-gottorf.de
Dr. Johan Runer, Stockholms länsmuseum
Tel. 0046 8 586 194 62, johan.runer@stockholmslansmuseum.se

Zu archäologischer Geophysik
Dr. Andreas Viberg, Arkeologiska forskningslabartoriet, Stockholms universitet
tel. 0046 8 16 25 18, andreas.viberg@arklab.su.se

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