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Moderner und funktionaler Bibliothekskomplex

Das Gebäude der Bibliothek des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte
 
Das Gebäude der Bibliothek des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte

Aus dem Keller in den Stall – so könnte man die Geschichte der Bibliothek des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte mit wenigen Worten umreißen. Doch wer nun glaubt, Bücher führten ein Schattendasein auf der Schlossinsel, der irrt. Denn vor dem Umzug der Bibliothek aus dem beengten Schlosskeller in die weitläufigen, ehemaligen Stallungen im Jahr 2007 wurde das im ausgehenden 19. Jahrhundert errichtete Gebäude umfassend saniert und modernisiert.

Im Nordosten der Schlossinsel entstand so in der Verlängerung der Reithalle, in der seit 1978 Sonderausstellungen des Landesmuseums gezeigt werden, auf fast 500 m² ein moderner und funktionaler Bibliothekskomplex. Aktuell stehen den Mitarbeitern der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen dort rund 100.000 Bücher, Zeitschriften und Kataloge zum Thema Kunst in all ihren Facetten zur Verfügung. In naher Zukunft wird sich der Bestand aber noch beträchtlich vergrößern und das Themenspektrum erweitern. Und dies nicht allein durch Ankäufe, Schenkungen oder vor allem den Tausch von Publikationen mit anderen Museen. Sondern durch die im Rahmen des Masterplans vorgesehene Zusammenlegung der Bibliotheken des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und des Archäologischen Landesmuseums. Um das Gebäude effizient nutzen zu können, sind im Vorfeld noch bauliche Maßnahmen erforderlich, danach bietet der ehemalige Stall ausreichend Raum für die Fachliteratur von der Archäologie Nordeuropas bis hin zur internationalen, zeitgenössischen Kunst (insgesamt 150.000 Bände).

Bücher hatten schon immer einen hohen Stellenwert im Gottorfer Schloss. Bereits im 17. Jahrhundert war die Bibliothek der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf weithin berühmt. In nur einem Jahrhundert war es Friedrich III. (1597-1659) und Christian Albrecht (1641-1694) gelungen, den Bestand von ererbten 700 auf damals beachtliche 10.000 Exemplare zu vergrößern, wie zeitgenössische Inventare und Kataloge zeigen. Anteil daran hatte auch Adam Olearius (1599-1671), Universalgelehrter am Gottorfer Hof und von 1649 bis zu seinem Tod als Bibliothekar für die Sammlung verantwortlich. Im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) fiel die Hofbibliothek 1713 schließlich an Dänemark und wurde in der Folge weitgehend geschlossen in die Königliche Bibliothek nach Kopenhagen verbracht. Dort befindet sich der wohl größte Teil der Bücher noch heute, auf Schloss Gottorf sind keine Bücher mehr aus der herzoglichen Sammlung vorhanden.

Buchgeschichtlich herausragende Handschriften und Drucke gelangten erst wieder im Lauf des 20. Jahrhunderts ins Landesmuseum. In der Zeit von ca. 1450 bis 1486 entstanden, sind sie Zeugnisse des damaligen, revolutionären Wandels in der Buchherstellung: vom traditionell per Hand geschriebenen hin zum gedruckten Buch. Die „Gutenbergbibel“ (Mainz, um 1452/54) gilt als das erste Buch weltweit, das mit beweglichen, aus Blei gegossenen Typen, sog. Lettern, gedruckt wurde. Nur wenige Jahrzehnte später wurde diese neue Technik zur Herstellung des „Schleswiger Missale“ (1486) genutzt, das damit das erste in den Herzogtümern Schleswig und Holstein und das zweite auf dänischem Boden gedruckte Buch war. Beide Inkunabeln sind, trotz ihrer für damalige Verhältnisse hohen Auflagen von rund 300 Stück, nur noch in wenigen Exemplaren nachweisbar. Dass diese beiden überaus seltenen Frühdrucke die Sammlung des Landesmuseums bereichern, ist der Nordkirche und der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Toestrup zu verdanken, die sie auf Dauer als Leihgaben zur Verfügung stellen.

Viele kostbare und seltene Bände umfasst auch eine Reiterbuchsammlung, die in ihrer Spezialisierung auf die klassische Reitkunst und die Reitschulen einzigartig ist. Die insgesamt 113 Bücher, unter ihnen epochemachende Werke von Löhneysen, Grisone, Pluvinel, Riediger und La Guérinière, geben einen historischen Abriss über die Entwicklung der Reitkunst vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Oft wissenschaftlich fundiert und teils reich illustriert spiegeln sie in Wort und Bild das Wissen ihrer Zeit in Sachen Heilkunde, Anatomie und Ausbildung von Pferden wieder. 1997 gelangte die über Jahrzehnte gewachsene Sammlung als Schenkung von Dr. Horst Stützer aus Reinbek bei Hamburg ins Landesmuseum. Dass die Reiterbücher eines Tages ihren Platz in den zur Bibliothek umgebauten, ehemaligen Stallungen von Schloss Gottorf und damit am Ort ihrer Bestimmung finden würden, ahnte damals wohl niemand. Den Sammler hätte es sicher gefreut.

Möchten Sie die Bibliothek als Besucher nutzen? Dann melden Sie sich bitte mindestens 14 Tage vor dem geplanten Termin unter Nennung Ihres Forschungsvorhabens schriftlich an.

Kontakt:

Dr. Ivonne Rohmann

Tel.: 04261 – 813 230

E-Mail: ivonne.rohmann@schloss-gottorf.de

 

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