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Provenienzforschung am Landesmuseum: Spurensuche und Aufarbeitung

Provenienzforschung als klassische Disziplin der Kunstgeschichte befasst sich mit der Herkunft von Objekten. Dies bedeutet heute - durch den systematischen Kunstraub der Nationalsozialisten - vor allem die Erforschung von NS-Raubgut. In der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichteten sich über 40 Staaten dazu, in ihren öffentlichen Einrichtungen „nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu suchen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte zu unternehmen, eine gerechte und faire Lösung zu finden.“ Auf Schloss Gottorf wird seit 2013 aktiv Provenienzforschung betrieben.

Die Rückseite eines Carl-Hofer-Gemäldes.Zur deutschlandweiten Koordinierung dieser Aufgabe entstand zunächst die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin, die Anfang 2015 in das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg übergegangen ist. Als zentraler Ansprechpartner in Bezug auf die Provenienzforschung verwaltet das DZK außerdem die lostart-Datenbank, in der Verluste und Funde gemeldet und somit öffentlich gemacht werden können.

Seit 2013 arbeitet die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen die Provenienzen der Sammlungsbestände des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte systematisch auf. In einem auf zwei Jahre (April 2013-März 2015) angelegten Forschungsprojekt ging es um die Neuerwerbungen in der Zeit zwischen 1933 und 1945. In einem vom DZK geförderten Nachfolgeprojekt werden seit Ende 2015 die Sammlungszugänge nach 1945 untersucht.

 

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte verfügt über einen seit 1878 gewachsenen Sammlungsbestand mit Objekten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Traditionelle Sammlungsschwerpunkte sind nach wie vor  Möbel und, Kunsthandwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte aber auch die bildende Kunst verstärkt ins Zentrum der Sammlungstätigkeit.

Für den Zeitraum von 1933 bis 1945 sind etwa 5.000 Objekte als Neuzugänge an das Landesmuseum zu verzeichnen. Unter diesen befanden sich einige auffällige Erwerbungen aus Berliner Auktionen sowie Ankäufe in den besetzen Gebieten. Vom Auktionshaus Paul Graupe in Berlin stammten fünf Gobelins aus der Sammlung Emma Budge, die 1937 für das Landesmuseum erworben wurden. Diese wurden bereits an die Erben restituiert, ebenso ein Zinn-Willkomm der Itzehoer Glaserinnung, der von einem jüdischen Händler aus Amsterdam stammte.

 

Links:

https://www.kulturgutverluste.de/de/

http://www.lostart.de/Webs/DE/LostArt/Index.html

Ansprechpartnerin:

Melanie Jacobi, M.A.

Tel: 04621/813 207

melanie.jacobi@schloss-gottorf.de

 

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