Bücher und Mappenwerke von Tàpies
Die aus Liebe zur Poesie entstandenen Bücher und Mappenwerke von Antoni Tàpies haben es dem Sammlerehepaar Eva und Dr. Carl Großhaus angetan. Aus dem erheblichen Bestand an Tàpies-Werken ist eine wunderbare Ausstellung entstanden. Gezeigt wird sie bis 22. April 2012 im Gottorfer Kreuzstall.
Drei Jahre ist es her, dass eines der großartigen Bleibücher mit weiteren Arbeiten von Anselm Kiefer aus der Sammlung Großhaus die Besucher im Gottorfer Kreuzstall begeisterten. Nur wenige Tage nach Ausstellungseröffnung erhielt Kiefer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels überreicht.
Jetzt zeigt Schloss Gottorf aus der Sammlung von Dr. Carl und Eva Großhaus erneut einen Künstler, der eine innige Beziehung zur Buchkunst hat: Bis 22. April 2012 sind Bücher und Mappenwerke von Antoni Tàpies, Spaniens bedeutendsten Künstler des Informell, im Gottorfer Kreuzstall präsentiert. Die Schleswiger Ausstellung zeigt neben einem in Bronze gegossenen Buch und einem Ölgemälde 114 grafische Werke seiner großen Leidenschaft: der Buchgestaltung. Tàpies gilt bis heute als ein großer Verehrer schöner Bücher, immer wieder hat er als Maler die Auseinandersetzung mit der Poesie gesucht.
„Wenn es darum geht, sich eine neue Sicht der Wirklichkeit zu bilden, wenn es gilt, der Dunkelheit, die uns umgibt, allmählich Boden abzugewinnen, können wir uns nicht damit begnügen, überholten Formen nachzugehen, denn ein neuer Inhalt muss selbstverständlich einer neuen Form entsprechen.“ Der zweiunddreißigjährige Antoni Tàpies verkündete damit 1955 in einem Vortrag an der Internationalen Universität Menendez Pelayo in Santander Credo und Anspruch an sich und seine Kunst.
Viel verdankte Antoni Tàpies dem Surrealismus und dem frühen Informell, doch genügte es ihm nicht, das eigene Unbewusste zu ergründen, sich in inneren Landschaften zu verlieren, um Empfindungen Bild werden zu lassen. Ihm ging und geht es um das vielschichtige Bild mit sparsamen Mitteln, mit Materialien, deren Ausdruckskraft höher geschätzt wird als ihre Schönheit. Es geht nicht nur um die Deutlichkeit der Mitteilung gegenüber Gleichgesinnten. Seine Kunst ist durchaus politisch und Antoni Tàpies wollte tatsächlich „der Dunkelheit“, die ihn und andere in Francos Spanien umgab, „allmählich Boden abgewinnen“; so ging damals also auch um das Verbergen in der Vielschichtigkeit.
Antoni Tàpies wurde am 13. Dezember 1923 in Barcelona in unruhige Zeiten geboren. Er erlebte eine Militärdiktatur, die Zweite Republik, den Spanischen Bürgerkrieg, die Franco-Diktatur und schließlich,1975, den demokratischen Neubeginn. Der Sohn eines Juristen interessierte sich für bildende Kunst, für Literatur und Philosophie. Er begann 1943 ein Jurastudium, besuchte jedoch ab 1946 einige Kurse an der Acadèmia Valls in Barcelona, schulte sich an der Malerei von Vincent van Gogh und Pablo Picasso, dann auch an der der Surrealisten Max Ernst, Joan Mirò und Paul Klee. 1948 gründete er unter anderen mit dem Dichter Joan Brossa die Gruppe Dau al Set. 1950 ging Tàpies mit einem Stipendium nach Paris, lernte dort junge Künstler des Informel und des Tachismus kennen, tauchte ein in eine lebendige Kulturszene von Surrealismus und Existentialismus, von Marxismus und sozialem Realismus. In Mailand lernte er 1958 Künstler der Arte povera kennen, in New York 1959 bei seiner ersten Ausstellung in der Martha Jackson Gallery die des Abstrakten Expressionismus. Mit 36 Jahren war er ein international anerkannter Künstler, der vielfach geehrt wurde. Sein Renommee nutzte er zunehmend, um sich für nicht nur künstlerische Freiheit in seiner Heimat einzusetzen.
1984 initiierte er zusammen mit seiner Frau Teresa die Gründung der Fundació Antoni Tàpies, für die er - für ihn und seine Liebe zum Buch charakteristisch – das ehemalige Verlagshaus Montaner i Simón erwarb.
Le T du nom de TÀPIES
Bücher und Mappenwerke von Antoni Tàpies
aus der Sammlung Großhaus
bis 22. April 201 Kreuzstall, Schloss Gottorf
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10-16 Uhr; Sonnabend und Sonntag 10-17 Uhr; ab 1. April 2012: täglich von 10-18 Uhr
