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Erich Heckel - Eine Retrospektive

25. April bis 29. August 2010

Mit seinem Expressionismus hat Erich Heckel (1883–1970) Kunstgeschichte geschrieben. Aus Anlass der vierzigsten Wiederkehr seines Todesjahres  – der große deutsche Maler starb am 27. Januar 1970 in Radofzell am Bodensee  – widmet das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf Erich Heckel in diesem Sommer gleich zwei große Ausstellungen mit fast 200 Werken. In einer neuerlichen Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin gelingt es, vom 25. April bis 29. August in der Reithalle die erste große Retrospektive zu Heckel seit mehr als zwei Jahrzehnten  zu zeigen.
Die Ausstellung „Aufbruch und Tradition“ zeigt im größten Ausstellungstrakt auf der Schleswiger Schlossinsel mehr als 70 Gemälde aus allen Schaffensperioden des Mitbegründers der Künstlergruppe „Brücke“.  Der Schwerpunkt liegt dabei auf Werken der »Brücke-Zeit« – allein 30 Gemälde stammen aus den Jahren 1905–1913. Darunter so berühmte Meisterwerke wie „Rote Häuser“ von 1908 oder die „Mühle“ aus Dangast, von 1909. Mit der Leuchtkraft ihrer Farben und der Vitalität ihres Ausdrucks stehen sie exemplarisch für den Aufbruch des Expressionismus.  Weitere Akzente liegen auf Werken der Jahre 1914 bis in die frühen 20er Jahre. Seit 1913 verbrachte Heckel jahrzehntelang seine Sommer in Osterholz an der Flensburger Förde.
Derart umfassend wurde das Werk Heckels zuletzt in einer Retrospektive aus Anlass seines 100. Geburtstages 1983/84 in München und Essen präsentiert. „Eine Ausstellung, die den ganzen Heckel zeigt, war ein Desiderat und schon seit langem überfällig“, schreibt  Prof. Magdalena M. Moeller vom Brücke-Museum Berlin in ihrem Vorwort zum Katalog der Retrospektive 2010.
Und nur drei Wochen nach Eröffnung von „Aufbruch und Tradition“ komplettiert die erstmalige Gesamtschau auf über 100 Aquarelle, die das Brücke-Museum vor 40 Jahren nach dem Tod des Künstlers aus der Hand der Witwe Siddi Heckel erhalten hatte, den großen Gottorfer Heckel-Sommer. Auf zahlreichen Reisen durch Europa in den 1920 und 1930er Jahren schlugen entstanden neben Gemälden vor allem viele Aquarelle. Unter dem Titel »Erich Heckel – Der stille Expressionist« sind sie ab dem 16. Mai parallel zur Retrospektive in den Räumen der Galerie der Klassischen Moderne zu sehen. Die Blätter bilden Vorstudien zu Gemälden, sind aber von hohem eigenem Rang. Beide Ausstellungen  gehen zurück auf das Brücke-Museum Berlin und wurden auf Schloss Gottorf wie bereits im Fall der erfolgreichen „Brücke Highlights“ (Frühjahr 2008) von Dr. Uta Kuhl organisiert und betreut.
Am 7. Juni 1905 hatte Erich Heckel zusammen mit Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt – von da an nannte er sich Schmidt-Rottluff – die Künstlergemeinschaft „Brücke“ gegründet. Sie studierten Architektur an der Technischen Hochschule Dresden, ihre Gemeinschaft aber zielte auf eine neue freie Kunst. Heute gilt die Gründung der „Brücke“ als die Geburtsstunde des Expressionismus. Die jungen Künstler malten Bilder unmittelbarer Lebensfreude, die das subjektive Erleben und Fühlen sichtbar machen und noch heute begeistern. Der entscheidende Impuls war die Abkehr von der akademischen Tradition, der Aufbruch zu neuen Ufern, wobei man sich an Vorbildern wie van Gogh oder Edvard Munch orientierte. Im Sommer 1907 reiste Heckel erstmals nach Dangast am Jadebusen, wo er zusammen mit dem Freund Karl Schmidt-Rottluff mehrere Monate blieb. Auch in den folgenden Jahren verbrachten sie die Sommer an der Ostfriesischen Küste bei Dangast. Beim Malen in der Natur suchten die jungen Künstler, ihren Empfindungen unmittelbaren spontanen Ausdruck zu verleihen. Die raue, karge Landschaft der Nordseeküste beeinflusste sie dabei ganz wesentlich – hier entwickelten sie ihren Stil der großen Formen und leuchtenden Farben. Beispiele dafür sind Bilder wie „Mittag in der Marsch“, 1907 oder die schon erwähnten Gemälde „Rote Häuser“ und die „Mühle“.
Ein entscheidender Einschnitt für Heckels Schaffen war der Umzug von Dresden nach Berlin im November 1911. Damit taten er, Schmidt-Rottluff und Kirchner es ihrem Freund Max Pechstein nach, der schon 1908 nach Berlin gegangen war und dort Kontakte geknüpft hatte. Sie erhofften sie sich von der Metropole eine größere Wirkung ihrer Kunst, um überhaupt davon leben zu können. In der Großstadt Berlin änderte sich ihr Malstil und der gemeinsame „Brücke-Stil“ trat gegenüber einer individuelleren Stilentwicklung zurück. Zudem taten sich in der Großstadt ganz neue Motive auf, wie Heckels Gemälde „Stadtbahn in Berlin“ von 1911 zeigt.
1913 löste sich die Künstlergemeinschaft „Brücke“ auf, im selben Jahr entdeckte Erich Heckel bei einem Besuch der Stadt Flensburg den kleinen Ort Osterholz an der Flensburger Förde. Von nun an wird er dort zusammen mit seiner Frau Siddi gut drei Jahrzehnte lang, bis 1944, die Sommermonate verbringen. Diese Aufenthalte an der Ostsee wurden für Heckels Schaffen ganz wesentlich. Es bedeutete nicht nur eine neue Lebensform für ihn – hatte er doch eine einsame, noch weitgehend ursprüngliche Landschaft gesucht -  sondern brachte auch durch ihren landschaftlichen Reichtum neue Impulse.

Erich Heckel   „Aufbruch und Tradition“ –  Eine Retrospektive
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Reithalle
25. April  – 29. August 2010
Erich Heckel   „Der stille Expressionist“ – Die Aquarelle
Schloss Gottorf, Galerie der Klassischen Moderne
16. Mai – 29. August 2010

Der Katalog zur Retrospektive ist als Monographie zum malerischen Werk Heckels angelegt. Die Publikation ist im Hirmer-Verlag erschienen und kostet auf Schloss Gottorf 29,90 Euro. 

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