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Das Jahr 1950: Brennpunkte deutscher Kunst der Nachkriegszeit

24. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit Karl Hofer im Juli 1945 ein Maler zum Direktor der Hochschule der bildenden Künste in Berlin berufen. In dieser Zeit widmete er sich vor allem auch der kulturpolitischen Arbeit. Er war Gründungsmitglied des Kulturbundes, der sich die demokratische Erneuerung Deutschlands zum Ziel gesetzt hatte, bis 1949 Mitherausgeber der Zeitschrift „Bildende Kunst“ und wurde 1950 erster Präsident des wieder gegründeten Deutschen Künstlerbundes. Dennoch fühlte sich Hofer unverstanden: Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland begann die Internationalisierung und Vorherrschaft der abstrakten Kunst als Ausdruck freiheitlicher und westlicher Orientierungen mehr und mehr zu verdrängen, wofür der Maler selbst stand: figürliche Kunst.
Die Konfrontation von Figuration und Abstraktion mündete schließlich 1950 im „Darmstädter Gesprächen“ auf der Mathildenhöhe, in denen die Überzeugungen kämpferisch vertreten wurden. Es entbrannte ein polemisch geführter Streit über die „richtige“ Kunst. Unter dem Eindruck des Streits, der im Westen ebenso wie im Osten geführt wurde, hatten sich jüngere wie ältere Künstler zu entscheiden: Viele kehrten ihren Ursprüngen den Rücken, entschieden sich für die Abstraktion und verhalfen dieser Kunstrichtung zur Vorherrschaft.
1945 liegt Deutschland in Schutt und Asche. Viele Städte sind vernichtet. In allen Besatzungszonen herrscht Wohnungsmangel und Lebensmittelknappheit. Doch mit dem Wegräumen der Trümmer, beginnt schon der Wiederaufbau des Landes. Für Stadtplaner ideale und einmalige Voraussetzungen, um die Idee von der funktionalen Stadt umzusetzen. Nur wie: alt oder neu? In den Wiederaufbaudebatten in vielen Städten Deutschlands spielt der Streit der Kunst als die Alternative: „historisch“ oder „modern“ eine wesentliche Rolle.
Auch Norddeutschland erreichte dieser Streit bald. An den Kunsthochschulen, unter anderem in Hamburg, wurden die Berliner und Darmstädter Ereignisse heftig diskutiert. Schleswig-Holstein ist in vielfacher Hinsicht durch bekannte (Günter Grass, Horst Janssen) und heute weniger bekannte Persönlichkeiten (Heinrich Ehmsen) mit diesen Ereignissen unmittelbar verbunden. Bis in die Gegenwart prägen jene Bestimmungen und Überzeugungen, die damals formuliert wurden, den Begriff von Kunst im Norden. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte bewahrt zahlreiche Werkkonvolute in den eigenen Sammlungen, in der Stiftung Horn, in der Georg-Tappert-Stiftung, im Skulpturenpark auf der Schlossinsel, die mit dieser Frage verbunden sind.
Aus Anlass des 20. Jahrestages der deutschen Einheit möchte die Ausstellung wesentliche Frontlinien und Brennpunkte dieser Auseinandersetzungen veranschaulichen, diese in den charakteristischen künstlerischen Auffassungen vorstellen und ihren Einfluss im Norden andeuten. Sie präsentiert bedeutende Werke aus den Jahren 1946 bis um 1960: Bildhauerkunst, Malerei und Architekturideen unter anderem von Karl Hofer, Ernst Wilhelm Nay. Hans Hartung, Karl Hartung, Hans Uhlmann, Bernhard Heiliger, Norbert Kricke, Gerhard Marcks, Gustav Seitz, Waldemar Grzimek und Egon Eiermann.

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