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Ein Hauch von Südsee weht über die Schlossinsel

Ein Hauch von Südsee in der Gottorfer reithalle. Foto: Dannenberg
 
Ein Hauch von Südsee in der Gottorfer reithalle. Foto: Dannenberg

Im August 2017 würde einer der wichtigsten deutschen Maler seinen 150. Geburtstag feiern - Emil Nolde. Dieses Ereignis ist Anlass für acht Museen im Norden, Nolde mit bedeutenden Ausstellugnen zu würdigen. Das wohl größte Projekt in dieser Reihe - Nolde in der Südssee - ist am Sonntag vor mehr als 500 Gästen stimmungsvoll eröffnet worden. Die 150 Werke in der Gottorfer Reithalle und in der Stiftung Rolf Horn sind täglich ab 10 Uhr bis zum 3. September zu sehen.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt anlässlich des 150. Geburtstages von Emil Nolde (1867-1956) gemeinsam mit der Nolde Stiftung und der Stiftung Rolf Horn die große Sonderausstellung „Nolde in der Südsee“. Vom 8. Mai bis 3. September 2017 werden in der Reithalle auf der Schleswiger Schlossinsel und in der Sammlung Horn 19 Gemälde, mehr als 50 Aquarelle und 80 Pastelle und Zeichnungen ausgestellt – entstanden auf einer Südseereise von Emil Nolde in den Jahren 1913/1914. Erstmals wird im Norden eine derartige Vielzahl und Bandbreite dieser Werke präsentiert, darunter viele Exponate, die selten oder noch nie öffentlich zu sehen waren.

Die Reise in die Südsee, die Emil Nolde zusammen mit seiner Frau Ada unternahm, gehört zu den zentralen Ereignissen seines Lebens und inspirierte seine Kunst nachhaltig. Zusammen mit zwei Tropenmedizinern und einer Krankenschwester waren Ada und Emil Nolde Teil einer „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ des Deutschen Reiches, die die verheerenden Epidemien in den deutschen Kolonien erforschen sollte. Für den Maler und seine Frau war diese Reise die Gelegenheit, die vermeintlich wilde und unberührte Welt der Südsee zu erleben, den ursprünglichen Zuständen menschlichen Seins unverfälscht begegnen zu können – sie folgten einer Sehnsucht, die Nolde mit vielen Künstlern seiner Zeit teilte. Der bekannteste Vertreter war sicherlich Paul Gauguin.

Die Reise vor mehr als 100 Jahren führte die Noldes im Gefolge der Expedition über Moskau mit der transsibirischen Eisenbahn nach Korea, Japan, China und Hongkong, dann weiter über die Philippinen nach Deutsch-Neuguinea. Schon auf der Hinfahrt entstanden die ersten Werke, schnelle konzentrierte Arbeiten in Aquarell und Tusche. Insgesamt fertigte Nolde Hunderte von Aquarellen sowie Pastellzeichnungen an und 19 Gemälde. Aquarelle waren nicht nur wesentlich leichter zu transportieren, sondern Ölfarbe trocknete bei der hohen Luftfeuchtigkeit auch weniger gut durch. Die farbprächtigen Gemälde wie zum Beispiel „Tropensonne“ (1914) sind – neben den Aquarellen und Pastellen - auf Gottorf zu sehen.

Die Faszination Noldes für das Fremde und andere Kulturen teilen viele Menschen von jung bis alt. Interaktive Elemente sowie eine Audiotour für Kinder und Erwachsene, in der Emil und Ada Nolde ihre Reiseeindrücke schildern, nehmen diese Neugierde in den Fokus. Das umfangreiche Begleitprogramm stellt außer dem Künstler und seinem Werk die Kultur der Südsee in den Mittelpunkt. Neben mehreren Vorträgen gibt es zahlreiche Themenführungen, Workshops und einen kulinarischen Abend zum Mitmachen.

Dank einer umfassenden Unterstützung durch die Sparkassen in Schleswig-Holstein konnte auch für die aktuelle Sonderausstellung ein Audioguide produziert werden – mit Texten auch für junge Besucher. Aus Sparkassenmitteln waren bereits moderne Vermittlungsmedien für die Ausstellungen beider Landesmuseen auf Schloss Gottorf, im Globushaus, in Haithabu und für das Landesmuseum für Volkskunde in Molfsee angeschafft worden.
Die Schleswiger Ausstellung „Nolde in der Südsee“ ist Teil des Ausstellungs¬verbundes „Nolde im Norden“: acht Museen über nationale und internationale Grenzen hinweg würdigen diesen bedeutenden Maler 2017 und 2018 mit unterschiedlich thematisierten Ausstellungen, um die Vielfalt und Breite seines Schaffens darzustellen. Gefördert wird „Nolde im Norden“ von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

Kataloge zu „Nolde in der Südsee“:
Emil Nolde, Die Südseereise | The Journey to the South Seas 1913-1914, hg. Manfred Reuther, Nolde Stiftung Seebüll, 144 Seiten, 2008, 29,90 Euro
Christian Ring: Emil Nolde, Die Südsee | The South Seas, 96 Seiten, 2017, 18 Euro

„Nolde in der Südsee“ - Öffnungszeiten
Reithalle und Stiftung Horn, Schloss Gottorf
8. Mai bis 3. September 2017
Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr
Sonnabend + Sonntag 10 bis 18 Uhr


Bei „Nolde im Norden“ kooperieren die Museen über nationale und internationale Grenzen hinweg: Partner sind das Kunstmuseum Tondern in Dänemark, in Schleswig-Holstein beteiligen sich die Nolde Stiftung Seebüll, der Museumsberg Flensburg, Schloss Gottorf in Schleswig, die Kunsthalle Kiel, das Museum Behnhaus Drägerhaus in Lübeck, in Mecklenburg-Vorpommern das Kunstmuseum Ahrenshoop und in Niedersachsen die Städtische Galerie Wolfsburg.

Weitere Informationen zum Gesamtprojekt gibt es unter www.nolde-im-norden.de

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