600 Jahre Große Grüne Schützengilde
Anlässlich des 600jährigen Bestehens der Großen Grünen Schützengilde Kiel zeigt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf ab 21. Juni im sogenannten Kubusraum am Lapidarium eine Auswahl des Gildeschatzes, der seit 1896 als Dauerleihgabe dem Museum anvertraut ist.
Heute wird oftmals über den fröhlichen Begleitumständen von Schützenfesten vergessen, dass die Entstehung der Schützengilden einen weit in die Geschichte zurückreichenden Hintergrund besitzt. Angesichts unsicherer Verhältnisse, die in Europa im Mittelalter und in der frühen Neuzeit herrschten, ist ihr Aufkommen in der Entwicklung des Städtewesens ånotwendiger Bestandteil bürgerschaftlicher Selbstverteidigung. Die Entwicklung von stehenden Heeren ist erst eine spätere Erscheinung. Das geschah durch die Landesherren in Schleswig-Holstein in Ansätzen etwa um 1630. Man war somit genötigt, sich für die Verteidigung zu Schützengilden zu vereinigen und Wehrhaftigkeit und Schießkunst zu erprobten.
Einen losen Zusammenschluss von Bürgern, die nach mittelalterlichem Brauch im Frühsommer nach dem Vogel in Gestalt eines Papageien schossen, wird es in Kiel bereits vor 1412 gegeben haben. Die am 4. Juni des Jahres 1412 gegründete Papagoiengilde, die später vermutlich nach die Farbe ihrer Uniform Große Grüne Schützengilde genannt wurde, kann auf die in Schleswig-Holstein älteste urkundlich überlieferte Gildegründung verweisen.
Vorrangiger Zweck war es, sich durch Waffenübungen in der Schützengilde als Bürger auf die etwaige Verteidigung seiner Stadt vorzubereiten. Ein weiterer Bereich des sozialen Engagements der Großen Grünen Schützengilde war ihre Funktion als Brand- und Totengilde. Unter den Mitgliedern der Schützengilde gab es traditionell zahlreiche Ratsmitglieder und Adelige mit Hausbesitz in Kiel sowie Kaufleute und Handwerksmeister. Die Gilde besaß ihren aus dem gehobenen Bürgertum stammenden Mitgliedern entsprechend höchste Reputation.
Dass Adel und Fürsten an den Schützenfesten teilnahmen bzw. sogar Mitglieder der Großen Grünen Schützengilde wurden, ist charakteristisch. So verzeichnet die Liste der Schützenkönige der Kieler Gilde kaiserliche, königliche und fürstlichen Persönlichkeiten neben höchsten Beamten des Staates. Natürlich haben die Mitglieder von Kaiser-, Königs- und Fürstenhäusern unter den Schützenkönigen nicht alle persönlich den sogenannten Königsschuss abgegeben. Für den Landesherrn gab zumeist der höchste Beamte am Ort stellvertretend den Schuss auf den Königsvogel ab.
Mit dem Jahr 1725, in dem Herzog Carl Friedrich und zwölf hohe Räte und Offiziere seiner Regierung offiziell Mitglieder der Gilde wurden, begann für die Gilde ein neuer Zeitabschnitt. Der Genuss der fürstlichen Nähe war u.a. damit verbunden, dass die Große Grüne Schützengilde als Leibkompanie angesehen werden konnte, für die der Kieler Schlossgarten als Exerzierplatz hergerichtet wurde. Die Geschenke, die Herzog Carl Friedrich der Großen Grünen Schützengilde verehrte (Königsvogel von 1726 und Deckelpokal von 1735), sind in der Ausstellung zu sehen.
Unter den Schützenkönigen und den Präsidenten der folgenden Jahre finden sich vom Prinzen Friedrich August von Holstein-Gottorf (1711-1785) über Fürstbischof Adolf Friedrich von Lübeck-Eutin (der spätere König von Schweden) bis hin zum Erbprinzen Paul Petrowitsch, dem späteren russischen Zaren, und seine jüngere Schwester Prinzessin Anna Petrowna, die 1756 und 1758 Schützenkönige wurden, zahlreiche Repräsentanten des herzoglichen Hauses, die dessen wechselvolle Geschichte dokumentieren.
Im Jahre 1896 schloss man mit dem knapp zwei Jahrzehnte zuvor begründeten Thaulow-Museum in Kiel einen Dauerleihvertrag, um den Schatz der Großen Grünen Schützengilde der Obhut und der öffentlichen Präsentation durch das von Prof. Dr. Adelbert Matthaei kunsthistorisch neu geordnete Haus anzuvertrauen. Jeweils zum Zeremoniell des großen Schießens kehrt der Schatz in den Schoß der Gilde zurück. Dieses ist noch heute der Brauch, auch wenn sich längst aus dem Kieler Thaulow-Museum das Schleswig-Holsteinische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf entwickelt hat.
Die Gottorfer Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Ulrich Schneider, die Festschrift zum großen Jubiläum stammt aus der Feder von Dr. Jan Drees.
600 Jahre Große Grüne Schützengilde Kiel
21. Juni bis 26. August
Kubusraum am Lapidarium Schloss Gottorf
geöffnet: Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr.



