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Lebendiges Archiv – Erinnern und Weiterdenken

Ab Juli entsteht am Jüdischen Museum ein "Lebendiges Archiv"
 
Ab Juli entsteht am Jüdischen Museum ein "Lebendiges Archiv"

Normalerweise stellt ein Museum Objekte und Geschichten Dritter aus einer bestehenden Sammlung aus. Ab Juli jedoch stehen im Jüdischen Museum Rendsburg Erinnerungen und Erinnerungsstücke der Besucher im Fokus. Dort entsteht ein „Lebendiges Archiv – zum Erinnern und Weiterdenken“.

Eine Besucherin betritt das Jüdische Museum in Rendsburg. Sie hat eine goldene Menora dabei. Ein Leuchter, der eines der wichtigsten religiösen Symbole im Judentum darstellt. Klein ist er, nicht mal 20 Zentimeter hoch. Die Kerzenhalter glänzen wie frisch poliert, auch wenn die Farbe sich an einigen Stellen bereits abgelöst hat. Die Arme und der Fuß des Kultgegenstands sind künstlerisch und farbenfroh verziert. „Den hat meine verstorbene Mutter vor ungefähr 25 Jahren von einer Israel-Reise mitgebracht“, erklärt die Dame, „das hatte ich bisher bei mir stehen und mochte es nicht wegtun, da dachte ich, dass es hier gut aufgehoben sein könnte“. Diese Spende kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn ab Juli richtet das Museum im 30. Jahr seines Bestehens gemeinsam mit den Besuchern ein „Lebendiges Archiv – zum Erinnern und Weiterdenken“ ein.

„Was sammeln Sie zur Geschichte und Kultur von Jüdinnen und Juden?“ Das ist die Frage, mit der das Museum dazu einlädt, Geschichten und Objekte aller Art leihweise oder dauerhaft vorbeizubringen und in einem gemeinsamen Archiv auszustellen. Dabei sind Bücher, Postkarten, Reisesouvenirs, Fotos und Briefe ebenso willkommen wie Kultgegenstände oder Objekte, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Zusätzlich interessiert sich das Museum für die Geschichten hinter den Erinnerungsstücken. Wieso wurde gerade dieser Gegenstand aufgehoben? Welche Bedeutung hat er für seinen Besitzer?

Eine zweite Station widmet sich dem Thema Familienforschung. Die Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges hat bis heute Einfluss auf das Selbstverständnis von Familien. Erinnerungen werden über Geschichten überliefert, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Mit der Frage „Wissen Sie, was die Angehörigen Ihrer Familie während der NS-Zeit gemacht haben?“ können Besucher ihre persönlichen Geschichten im Museum teilen.

Das Jüdische Museum in Rendsburg begeht in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Aus diesem Anlass wird von Juni bis Dezember eine partizipative Ausstellung gezeigt, die in die bestehenden Dauerausstellungen zur Geschichte, Religion und Identität sowie zur Kunst von vom NS-Regime Verfolgten integriert werden. Monatlich kommen verschiedene Mitmach-Stationen dazu, die Besucher zu einem Dialog und zur Mitgestaltung des Museums einladen.

Die Gegenstände können bis Dezember zu den Öffnungszeiten Dienstag bis Sonnabend 12 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 17 Uhr abgegeben werden. Jeden ersten Dienstag im Monat stehen Dr. Silke Ettling und Claudia Kuhn zwischen 15 und 16 Uhr persönlich bereit, um Erinnerungsstücke in Empfang zu nehmen und sie im  Beisein der Besitzer in das „Lebendige Archiv“ einzufügen.

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