Das Land investiert ins Jüdische Museum
Das einzige Jüdische Museum nördlich von Berlin befindet sich seit 1988 in den vollständig erhaltenen Gebäuden der früheren jüdischen Gemeinde Rendsburg, einer Synagoge aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im letzten Jahr hat das Land Schleswig-Holstein ein umfangreiches Modernisierungsprogramm gestartet.
Allein die Größe der Kunst-Ausstellung zwingt die Verantwortlichen im Jüdischen Museum, die Räume der Dauerausstellung von Kunst im Obergeschoss der ehemaligen Talmud-Tora-Schule hinzuzuziehen. In diesem Jahr wird das Museum, das das zweitälteste seiner Art in den ehemaligen Täterländern nach 1945 ist, 25-jähriges Jubiläum feiern. 1985 bereits nach einer umfangreichen Sanierung als Kulturzentrum gegründet (Dr.-Bamberger-Haus), wurde am 6. November 1988 das Jüdische Museum Rendsburg unter diesem Namen eröffnet. Seit mehr als 28 Jahren wurde baulich nichts verändert, was vor allem den Dauerausstellungen anzusehen ist.
Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Trägerin des Museums, hat in den letzten Jahren die strukturellen Defizite erkannt und begann im vergangenen Jahr mit der ersten Modernisierungsphase, der bis Ende des Jahrzehnts noch weitere folgen werden. Der erste Schritt umfasste Grundlegendes, vor allem Bauliches: Der historische Eingang wird nun wieder der Museumseingang, und ein neuer Kassenbereich wird eingerichtet. Die Toiletten wurden erneuert und die Garderoben im Keller installiert. In Zukunft werden die Besucher das wichtigste Ausstellungsstück des Hauses – den ehemaligen Betsaal – über das Westportal betreten, wie es architektonisch ursprünglich auch bestimmt war.
Das Jüdische Museum Rendsburg ist Aussteller und gleichzeitig Gedenkstätte. Die Neuerungen werden die Grundlage dafür werden, den Ort authentischer erleben zu können – durch sie wird ein stimmiger Museumsrundgang gebildet. Die Mittel hierfür stammen aus dem Investitionsprogramm Kulturelles Erbe. Das betrifft auch die weiteren Schritte bis 2018: Zunächst sollen in den kommenden beiden Jahren die Synagoge grunderneuert, aber vor allem die erste der drei Dauerausstellungen neu konzipiert werden: die zur jüdischen Religion und Identität. Später werden noch die Dauerausstellungen zur Kunst und – noch weit aufwändiger – die zur Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein erneuert werden müssen.
Das Zentrum des Museums ist der Betsaal mit seiner authentischen Atmosphäre. Nach der Pogromnacht von 1938, in der der Toraschrein gesprengt wurde, musste der Komplex an eine Fischräucherei verkauft werden. Bereits 1985 wurde hier ein Kulturzentrum eingerichtet, 1988 das Jüdische Museum. 1991 erfuhr das Museum durch zwei Häuser (Julius-Magnus-Haus) am Innenhof eine wichtige Erweiterung, die für Sonderausstellungen, Bibliothek, Medienraum und Archiv genutzt werden. Die Gebäude erinnern mit ihren Namensträgern an bekannte Rendsburger Bürger, die als Juden verfolgt und in den Suizid getrieben wurden, an den Arzt Dr. Ernst Bamberger und an den letzten Gemeindevorsteher Julius Magnus, stellvertretend zum Gedenken an alle Rendsburger jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft.

