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ÖFFNUNGSZEITEN

Jüdisches Museum Rendsburg

Di–Sa 12 bis 17 Uhr
So 10 bis 17 Uhr

oder nach  Vereinbarung

Öffnungszeiten an den Feiertagen:
Heiligabend und 1. Weihnachtstag geschlossen
2. Weihnachtstag 12-17 Uhr geöffnet
Silvester und Neujahr geschlossen

Prinzessinstraße 7–8
24768 Rendsburg
+49(0)4331 44043-0

info@jmrd.de

Besuchen Sie auch unser Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf: Die Eintrittskarte des Jüdischen Museums Rendsburg berechtigt Sie zum Besuch des Eisenkunstgussmuseums in den nächsten 7 Tagen.

KulTour

Sonntags ist der Eintritt ins Jüdische Museum Rendsburg, ins Eisenkunstgussmuseum und in die Museen im Kulturzentrum frei - inklusive Gratis-Kaffee.

 

 

Bis 3. Juni 2018: Die Affäre Exodus.

Schiff Exodus
 
Schiff Exodus

Die Sonderausstellung „Die Exodus-Affäre“ führt 70 Jahre zurück in die Zeit direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs: 4.500 jüdische Überlebende des Holocaust, die mit allen Mitteln versuchten, an Bord eines schrottreifen Schiffes sich nach Palästina durchzuschlagen, wurden von der britischen Armee auf hoher See abgefangen, zwangsweise nach Deutschland verschifft und über Wochen in der Nähe von Lübeck in Lagern hinter Stacheldraht interniert. Die internationale Empörung darüber war groß – und die Gründung eines jüdischen Staats rückte auf die Tagesordnung der Weltpolitik. Von der einheimischen Bevölkerung Schleswig-Holsteins wurde damals allerdings kaum wahrgenommen, dass sich vor ihrer Haustür Ereignisse mit weltgeschichtlichen Konsequenzen abspielten.

Am 8. September 1947 erreichten die britischen Deportationsschiffe den Hamburger Hafen; noch am selben Tag wurden die jüdischen Exodus-Passagiere über den Bahnhof Kücknitz bei Lübeck weiter in die zwei Internierungslager Pöppendorf und Am Stau transportiert.

 

Die ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde in Rendsburg reiht sich damit ein in das weltweite Gedenken an die Exodus-Affäre, das im Jahr 2017 sowohl in Israel als auch an anderen historischen Schauplätzen begangen wird. Das Jüdische Museum Rendsburg ist die einzige Institution, die diesem Thema eine eigene neue Ausstellung widmet. Da die Exodus-Affäre später als Teil des Gründungsmythos des jüdischen Staates in das kollektive Gedächtnis Israels eingegangen ist, versteht sich die Ausstellung gleichzeitig auch als Beitrag der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen zum 70. Gründungsjubiläum des Staates Israel im Jahr 2018.

 

Das Ausstellungsthema entspricht dem Selbstverständnis des einzigen jüdischen Museums in Norddeutschland in ganz besonderem Maße. Seit seinen Anfängen ist dieses Haus besonders der regionalen Geschichte verpflichtet – als Teil der Landesmuseen hat es aber gleichzeitig den Anspruch, das Land und die Welt miteinander in Beziehung zu setzen. In diesem Sinne zeigt die Exodus-Ausstellung Ereignisse, die sich in wesentlichen Teilen in Schleswig-Holstein und Norddeutschland abgespielt haben, in St. Pauli, Kücknitz oder Pöppendorf, deren weltpolitische Voraussetzungen und Implikationen gleichzeitig aber bis nach Marseille, London, New York und Tel Aviv reichten.
Das Schicksal der 1947 in Schleswig-Holstein internierten europäischen Holocaust-Überlebenden lässt sich so als Teil der Vorgeschichte der israelischen Staatsgründung verstehen.

Aufgrund des provisorischen Charakters der Internierungslager mit ihren vielfältigen Vor- und Nachnutzungen sind zur Exodus-Affäre kaum authentische Objekte aus Schleswig-Holstein erhalten: Lediglich ein kleiner Ofen aus einer Nissenhütte des Lagers Pöppendorf veranschaulicht als Leihgabe des Bonner Hauses der Geschichte das Leben der Internierten in den Lagern. Die Exodus-Ausstellung setzt daher zentral auf zeitgenössische Fotografien, von denen nicht wenige aus dem Bildarchiv des Jüdischen Museums stammen. Angefertigt wurden die vielfach sehr beeindruckenden Bilder teils von Journalisten und professionellen Fotografen, teils aber auch von den Exodus-Passagieren und Displaced Persons selbst. In einer Zeit, in der das Fotografieren teuer und aufwendig war, ist anders als heute allerdings kaum ein Foto ohne einen konkreten Zweck entstanden. Die Motive sind mit einer bestimmten Absicht ausgewählt worden, viele Bilder wurden sehr bewusst inszeniert und gestellt, und sogar ein- und dasselbe Foto kann durch unterschiedliche Zeitungsüberschriften diametral entgegengesetzte Aussagen erhalten. Die damit verbundenen Fragen beim kritischen Umgang mit Bildern als Ausstellungsexponaten sind daher für die Ausstellungsdidaktik und die Vermittlungsarbeit von Bedeutung.

 

Der erste Anstoß, eine Foto-Ausstellung zur Exodus-Affäre zu machen, kam 2016 von dem Flensburger Historiker Gerhard Paul, der als bedeutender Vertreter der visual history ebenso wie als wichtiger Grundlagenforscher zur Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein für ein solches Vorhaben wie kein zweiter geeignet ist. Als externer Co-Kurator, als wichtiger Ratgeber und als Verfasser der Katalogbeiträge hat er das Projekt maßgeblich mitgetragen. Prof. Dr. Gerhard Paul, geb. 1951, ist seit 1994 Professor für Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Flensburg. Paul wurde für sein Werk „Bilder des Krieges - Krieg der Bilder" 2004 mit dem internationalen Preis „Das Historische Buch“ ausgezeichnet. 2009 erreichte er Platz 1 der deutschen Sachbuchbestenliste für den Bildatlas „Das Jahrhundert der Bilder“.

 

Das Buch zur Exodus-Affäre: 108 Seiten, broschiert, 14,80 €, herausgegeben von Museumsleiter und Kurator Dr. Carsten Fleischhauer,
mit Beiträgen von Co-Kurator Prof. Dr. Gerhard Paul.

 

DIE EXODUS-AFFÄRE – Schleswig-Holstein und die Gründung Israels
Jüdisches Museum Rendsburg 8. September bis 3. Juni 2018

Jüdisches Museum Rendsburg | Prinzessinstraße 7-8 | 24768 Rendsburg | Tel 04331 440 43-0

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend 12-17 Uhr | Sonntag 10-17 Uhr (oder tel. Vereinbarung)

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