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ÖFFNUNGSZEITEN

Jüdisches Museum Rendsburg

Di–Sa 12 bis 17 Uhr
So 10 bis 17 Uhr

oder nach  Vereinbarung

Zusätzlich am Montag, 1. Mai, und Pfingstmontag, 5. Juni, jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Prinzessinstraße 7–8
24768 Rendsburg
+49(0)4331 44043-0

info@jmrd.de

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Oz Almog: "der auch.....?"

14. Juni bis 13. September 2009

In der Sommerausstellung 2009 des Jüdischen Museums Rendsburg „der auch...?“ sind mehr als 400 Ölgemälde (auf Leinwand, im Format 30 x 30 Zentimeter) von der Hand des israelischen, heute in Wien lebenden Künstlers Oz Almog zu sehen. Gezeigt werden Porträts, die jeweils einen bekannten Menschen der Geschichte oder der Gegenwart darstellen. Die Gemälde werden durch einen sachlich-erläuternden Text mit gegenseitigen Verweisen begleitet, so dass der Betrachter eine Art in sich verknüpftes Personenlexikon betritt.

Der Performance-Künstler Oz Almog spielt in diesem Projekt vor allem mit den verfestigten Erwartungshaltungen, die uns bei der Begegnung unterschiedlicher Personen fragen lassen: „der auch...?“. Ja, ist die Antwort, warum auch nicht?

Zu Oz Almog: Der 1956 im israelischen Kfar-Saba geborene Spross rumänisch-russischer Einwanderer ist nach einer Kunstausbildung in klassischer Malerei und seinem Militärdienst nach Wien gegangen, wo er an der Akademie der bildenden Künste abschloss. Hier gründete er das sogenannte „Institute of Strategic Research“, an dem provokante, gesellschaftsbezogene Kunst geschaffen wurde.

Seine geplante Ausstellung zu Mord und sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie musste wegen scharfer Proteste zurückgezogen werden. 2003/04 rückte Almog in der Ausstellung „Kosher Nostra – Jüdische Gangster in Amerika 1890-1980“ die jüdische Mafia ins Zentrum und löste ebenfalls viel Aufmerksamkeit aus; Juden als Verbrecher zu zeigen war in einem Klima bemühter Korrektheit gegenüber den Opfern der Nazi im ehemaligen Täterland Österreich stark provozierend.

 „der auch...?“ war das erste Mal vor zehn Jahren im Jüdischen Museum Wien und danach in Israel, Deutschland und anderen europäischen Städten zu sehen. Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 14. Juni um 12 Uhr statt – in Anwesenheit des Künstlers, der auch in die Ausstellung einführen wird.

Die Gemeinsamkeit der dargestellten dieser Frauen und Männer ist ihre jüdische Herkunft, wobei dieser Sachverhalt sehr weit gefasst ist. Wenn wir auf David Ben Gurion, Maimonides, Yehudi Menuhin oder Theodor Herzl stoßen, so bleiben diese Personen im allgemeinen Erwartungsrahmen, was Akteure „jüdischer“ Kultur und Geschichte angeht. Von anderen Personen werden wir „es“ nur vereinzelt gewußt haben: von den Sängern der Rockgruppe KISS, dem Darsteller von Mr. Spock oder dem Serienmörder David Berkowitz. Der Performance-Künstler Almog spielt gerade mit den verfestigten Erwartungshaltungen, die uns bei der Begegnung unterschiedlicher Personen in diesem Index fragen lassen: „der auch...?“. Ja, ist die Antwort, warum auch nicht?

 

Gerade in Deutschland und Österreich ist das Jüdische nach wie vor kein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und eine kulturelle Größe eigener Qualität. Die oft krampfhafte Haltung gegenüber dem Jüdischen spiegelt sich im obsessiven Schaffen von Almog, der sich nach Jahren der Performances und der Concept Art wieder der bildenden Kunst, ja der klassischen Malerei zuwandte. Seine zunächst wenigen – anfänglich als Fingerübung gedachten – Porträts wuchsen sich zu einer Lebensaufgabe aus: In über zehn Jahren schuf Almog 1.200 Gemäldeporträts (inklusive der biographischen Texte), so daß gerade einmal ein Drittel seiner „Chronik einer kulturellen Obsession“ in Rendsburg hat Platz finden können. Vor allem in der Anfangszeit entstanden Hunderte von Werken, „manchmal an 25 Staffeleien gleichzeitig“ (Almog).

Der 1956 im israelischen Kfar-Saba geborene Sproß rumänisch-russischer Einwanderer ist nach einer Kunstausbildung in klassischer Malerei und seinem Militärdienst nach Wien gegangen, wo er an der Akademie der bildenden Künste abschloß. Hier gründete er das sog. „Institute of Strategic Research“, an dem provokante, gesellschaftsbezogene Kunst geschaffen wurde. In der „Armchair Assassination“ von 1988 wurden antisemitische Schriftsteller symbolisch hingerichtet, in der „Block brut“ von 1997 Todesfälle durch autoerotische Unfälle gezeigt und im selben Jahr entstandenen „Shaheed“ die echten Röngtenbilder von Opfern ausgestellt, die durch Selbstmordattentätern umgebracht worden waren. Almog provozierte durch seine Kunst so stark, daß er bereits dreimal im israelischen Parlament Thema war. Seine geplante Ausstellung zu Mord und sexuellem Mißbauch innerhalb der Familie mußte wegen Proteste zurückgezogen werden. 2003/04 rückte Almog in der Ausstellung „Kosher Nostra – Jüdische Gangster in Amerika 1890-1980“ die jüdische Mafia ins Zentrum und löste ebenfalls viel Aufmerksamkeit aus; Juden als Verbrecher zu zeigen war in einem Klima bemühter Korrektheit gegenüber den Opfern der Nazi im ehemaligen Täterland Österreich stark provozieren.

Vor dem Betrachter entfaltet sich ein vielgesichtiges Panoptikum der Welt- und Kulturgeschichte. Die Dargestellten  haben viel Gutes und viel Schlechtes bewirkt, sind Religionsstifter, Propheten, Schauspieler, Gangster, Wissenschaftler, Politiker und Künstler. Sie haben wie andere Menschen die Welt geformt und aus ihr gemacht, was sie ist – im Guten wie im Schlechten. Irgendwann wird auch der Aspekt des Jüdischen leiser, und die obsessive Frage nach dem „es“ wird unwichtiger angesichts der Fülle menschlich-kultureller Verzweigung, die sich hier offenbart.

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