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ÖFFNUNGSZEITEN

Jüdisches Museum Rendsburg

Di–Sa 12 bis 17 Uhr
So 10 bis 17 Uhr

oder nach  Vereinbarung

Öffnungszeiten an den Feiertagen:
Heiligabend und 1. Weihnachtstag geschlossen
2. Weihnachtstag 12-17 Uhr geöffnet
Silvester und Neujahr geschlossen

Prinzessinstraße 7–8
24768 Rendsburg
+49(0)4331 44043-0

info@jmrd.de

Besuchen Sie auch unser Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf: Die Eintrittskarte des Jüdischen Museums Rendsburg berechtigt Sie zum Besuch des Eisenkunstgussmuseums in den nächsten 7 Tagen.

KulTour

Sonntags ist der Eintritt ins Jüdische Museum Rendsburg, ins Eisenkunstgussmuseum und in die Museen im Kulturzentrum frei - inklusive Gratis-Kaffee.

 

 

Jüdisches Museum zeigt Joseph Hebroni

26. Juni - 16. Oktober 2011

Die aktuelle Sommerausstellung „Joseph Hebroni. Bildhauer und Zeichner“ hebt einen für die breite Öffentlichkeit bislang verborgen gebliebenen Schatz. Dr. Jürgen Fitschen, Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, spricht von einem Glücksfall, dass sein Vor-Vorgänger Prof. Heinz Spielmann 1987 kurz entschlossen nach Paris gefahren war, und aus der Obhut der Flensburger Schwägerin des Künstlers ein repräsentatives Konvolut des plastischen und zeichnerischen Werkes für die im Aufbau begriffene Sammlung Jüdischer Künstler von Schloss Gottorf erwarb. Die Situation wiederholte sich zehn Jahre später, als Dr. Ulrich Schulte-Wülwer, der langjährige Chef auf dem Museumsberg in Flensburg, alarmiert von der Meldung, das Hebroni-Atelier dort werde aufgelöst, diese Reise unternahm und den Nachlass mit Kunstwerken und Dokumenten sicherte. Seitdem sind Werke Joseph Hebronis im Jüdischen Museum Rendsburg ebenso wie in Flensburg öffentlich zu sehen. Einige wichtige große Arbeiten wurden in Bronze gegossen, was dem in Vergessenheit geratenen Künstler finanziell nicht möglich gewesen war. Der große stehende Torso und die Porträtbüste Jacob Mosers bestimmen das Bild des Jüdischen Museums Rendsburg im Innenhof.
Die mit diesen Erwerbungen verbundene Aufgabe einer Aufarbeitung des Werkes Hebronis ist dagegen erst jetzt – wiederum mehr als 10 Jahre später ­– mit der nun in Rendsburg noch bis zum 16. Oktober zu erlebenden Ausstellung geleistet. Joseph Hebroni (1888 – 1963) entfaltete seine Kunst bereits früh im Bereich des Porträts. Als junger mittelloser Student in Berlin verschaffte er sich durch Porträtaufträge einen bescheidenen Lebensunterhalt. Er fand Förderer und Bewunderer seiner stets figürlichen Kunst in der Berliner Gesellschaft, etwa bei Max Liebermann und Albert Einstein. Eine gewisse Weltfremdheit war ihm eigen. Sie ließ ihn frühe Chancen auf Ausstellungen und Aufträge ausschlagen. Die große Anerkennung als Bildhauer hat er zeitlebens vergeblich gesucht. In Paris war er von der konservativen Kunst Aristide Maillols angezogen, und er pflegte eine enge Freundschaft mit dem gemäßigt modernen jüdischen Bildhauer Moissey Kogan (Werke in der Dauerausstellung des Museums). Die Pariser Szene um Brancusi, Laurens und Lipschitz, Picasso gar, blieb ihm fremd. Nachdem er die Zeit der deutschen Besatzung in Verstecken überstanden hatte, kam seine Karriere doch nicht in Gang, weil er in bewundernswerter Standhaftigkeit an der Darstellung des Menschen festhielt – in einer Zeit, die ganz und gar auf abstrakte Formen setzte. Wie schon zuvor waren es jüdische Verbindungen, die ihm Porträtaufträge (so das Bildnis von Abba Eban) verschafften. Die zahlreichen, im Jüdischen Museum ausgestellten Erfindungen von allegorischen Figuren und Figurengruppen sind fast nie zu der ersehnten großen Ausführung gelangt. Aus Geldmangel konnte er seine Gipse nicht in Bronze gießen lassen. Die zahlreichen Plastiken in dieser Ausstellung, die dunkel, bronzeartig angestrichen sind, zeugen davon.  Der Museumsberg wie auch das Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg haben diese Ausstellung mit Leihgaben unterstützt.
Die Ausstellung wird ergänzt durch Gemälde von der Hand seiner Frau Magdila, die in den seit Jahren Hebroni gewidmeten Räumen des Museums zusammen mit Werken Kogans und kunsthandwerklichen Arbeiten verfolgter jüdischer Künstlerinnen gezeigt werden.
Der erste große Blick auf das Gesamtwerk Hebronis in Norddeutschland ist dank der Unterstützung des Museumsbergs und dessen Leiter Dr. Michael Fuhr gelungen. Mit Dr. Hanna Peters, die Hebronis Arbeiten in ihrer Zeit auf dem Museumsberg kennengelernt hatte, konnte eine engagierte kunsthistorische Bearbeiterin gefunden werden. Der in Flensburg lebende Journalist Bernd Philipsen stellte seine umfangreichen Recherchen zur Biografie des Künstlers, die er teilweise auf Reisen in Israel gewonnen hatte, in konzentrierter Form zur Verfügung. Vorbereitet und organisiert haben das Unternehmen von Buch und Ausstellung der Leiter des Jüdischen Museums Rendsburg, Dr. Christian Walda, und der stellvertretende Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Dr. Thomas Gädeke.

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und die Kulturstiftung Zillmer in Hamburg konnte parallel zur Ausstellung die Herausgabe von Werkverzeichnis und Monografie erreicht werden.

Joseph Hebroni. Bildhauer und Zeichner
26. Juni bis 16. Oktober 2011 / Jüdisches Museum Rendsburg, Prinzessinstraße 7-8 in 24768 Rendsburg
geöffnet Dienstag bis Sonntag 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung 04331 – 252 62 oder info@jmrd.de

Der Katalog zur Ausstellung, gebunden 122 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Fotos, ist zum Preis von 19,90 € im Jüdischen Museum Rendsburg und im Museumsshop von Schloss Gottorf (kasse@schloss-gottorf.de) erhältlich. 

 

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