Von der Linie zur Fläche
Die 66 Werke des holländischen Künstlers Samuel Jessurun de Mesquita bleiben dem Jüdischen Museum Rendsburg länger als bislang erhofft erhalten. Mit freundlicher Genehmigung des Sammlers zeigt das Museum die Blätter des renommierten Künstlers noch bis zum 29. April.
Geboren am 6. Juni 1868 in Amsterdam, wurde Mesquita am 11. März 1944 im Konzentrationslager in Auschwitz ermordet. Er hinterließ ein vielseitiges und umfangreiches Œuvre. An der Kunstakademie seiner Geburtsstadt war Samuel Jessurun de Mesquita einer der wichtigsten Lehrer, der das Schaffen von Generationen niederländischer Künstler prägte. Sein bedeutendster Schüler war Maurits Cornelis Escher, der als Meister des optischen Illusionismus Berühmtheit erlangte.
Die Anfänge von Mesquitas künstlerischem Schaffen lagen im Bereich der angewandten Kunst. Experimentierfreude und Imaginationskraft führten ihn früh zur freien Kunst und zur Druckgrafik, die er wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen bis an die Grenzen des technisch Möglichen ausreizte. Über Symbolismus, Jugendstil und Art Deco fand der Künstler schließlich in den 1920er Jahren zu einer eigenen Bild- und Themenwelt. Einfühlsame Portraits, Akte, Tier- und Pflanzendarstellungen und Szenen, die an Traumwelten denken lassen, beschreiben sein fantasievolles, oftmals skurriles Werk. Obgleich Mesquitas Name vor allem mit seinen Holzschnitten in Verbindung gebracht wird, ist sein Gesamtwerk durch die Vielfalt seiner Techniken und Themen geprägt. Neben der grafischen Arbeit schuf er Aquarelle, Zeichnungen und Objekte der angewandten Kunst.
1944 führte Mesquitas jüdische Abstammung zur Verhaftung und zur Deportation nach Auschwitz durch die deutschen Besatzer. Wenig später wurden er und seine Familie ermordet. Seinem Freund und einstigem Schüler M. C. Escher ist es zu verdanken, dass ein großer Teil seiner Werke aus dem verlassenen Atelier gerettet und nach Beendigung des Krieges in verschiedenen Häusern gezeigt werden konnte.
Im Jüdischen Museum Rendsburg werden die Werke Mesquitas aus der Privatsammlung von Maria und Christian Ortwin Wolters gezeigt.
Die Ausstellung ist entstanden in einer Kooperation mit dem Kreis Unna, der die für Schloss Cappenberg konzipierte.
Von der Linie zur Fläche:
Die Ausstellung von Arbeiten des holländischen Jugendstil- und Art-Deco-Künstlers Samuel Jessurun de Mesquita ist vom 30. Oktober bis 29. April 2012 zu sehen.
Jüdisches Museum Rendsburg, Prinzessinstraße 7-8, 24768 Rendsburg
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebildeter Katalog für 24 Euro.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 17 Uhr oder für Gruppenbesuche nach telefonischer Vereinbarung unter 04331 25262.
Sonderführungen: 20. November, 11. Dezember, 15. und 29. Januar 2012
(Beginn jeweils um 12 Uhr)
