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Das Wikingerschiff ist fertig! Bootsbauprojekt begeistert die Massen

"Es schwimmt!" Die Erik Steuermann auf dem haddebyer Noor, was den Bootsbauer freut.
 
"Es schwimmt!" Die Erik Steuermann auf dem haddebyer Noor, was den Bootsbauer freut.

Wie wurden in der Wikingerzeit in Haithabu die Schiffe gebaut? Seit 1. November 2014 kann das Wikinger Museum Haithabu die denkbar beste Antwort auf diese Frage geben. Denn nach annähernd 3000 Arbeitsstunden auf der Helling von Haithabu ist vor mehr als 1000 begeisterten Besuchern die "Erik styrimathr" getauft und anschließend vom Stapel gelaufen. Ermöglicht haben ein Bootsbauprojekt wie vor 1000 Jahren zahlreiche Sponsoren und Freunde des Wikinger Museums.

Dicht gedrängt standen die Besuchermassen um die Helling von Haithabu herum. Ein jeder wollte unbedingt einen Blick auf das wunderschöne Holzschiff werfen. Es aus der Nähe zu betrachten oder die Planken gar einmal berühren war zu dieser Zeit - am Sonntag um 11 Uhr - längst nicht mehr möglich. An die 1000 Menschen drängten sich zwischen den Wikinger Häusern und der Landebrücke dicht an dicht, um dabei zu sein, wenn nach 1000 Jahren in Haithabu wieder ein Wikingerschiff getauft und vom Stapel gelaufen wird. 20 Wikinger und unzählige Helfer am Rand des Sandwegs packten mit an, um das rund 800 Kilogramm leichte Boot in Richtung Haddebyer Noor zu tragen/rollen.

Erst mit fast 20minütiger Verspätung konnte die offizielle Feier beginnen, da zuviele Menschen noch in einer langen Warteschlange vor der Kasse des Museums standen. Dann zog der Geschäftsführer der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Guido Wendt, noch einmal die beeindruckende Bilanz des letzten halben Jahres. Und er wußte, bei wem er sich trotz der zahlreichen Sponsoren und Helfer, die das Projekt gehabt hat, zu allererst zu bedanken hatte: bei Bootsbauer Kai Zausch. Er erhielt den ganzen Vormittag über immer wieder lang anhaltenden Beifall für seine geleistete Arbeit.
Zusammen mit Museumsleiterin Ute Drews und den beiden "hauptamtlichen Wikingern" Reinhard Erichsen und Wolfgang Hebbelmann bildete Zausch das Dreamteam im Sommer 2014. Doch die Anzahl der Helfer war größer. Ute Drews erinnert sich gerne an die Abende zurück, wenn Glasperlenmacher Sven Hopp am Abend seine Arbeit getan hatte, ging er wie selbstverständlich noch rüber zur Helling, wo Bootsbauer Kai Zausch sich nach einem langen Arbeitstag über zwei helfende Hände freute. "Dieses Projekt hat wirklich alle begeistert und niemanden unberührt gelassen", freute sich Projektleiterin Ute Drews.
Sie hatte im Vorwege, Ende 2013, mit Elan und Geschick über 70.000 Euro für das Bootsbauvorhaben eingeworben, u.a. bei der Aktivregion SchleiOstsee, bei kommunalen und privaten Geldgebern, sogar bei einem Schleswiger Rotary-Club. So konnte im April am Haddebyer Noor inmitten der Häuser von Haithabu auf einer eigens errichteten  Schiffsschmiede nach mehr als 1000 Jahren erstmals wieder ein Wikingerboot gebaut werden.

Die Schiffe der Wikinger und die Boote ihrer Nachfahren im gesamten Norden Europas zeugen von hoher handwerklicher Kunst, konstruktivem Verständnis und ästhetischem Sinn. Charakteristische Eigenschaften für diese Boote sind geringes Gewicht, leichter Lauf, Flexibilität und Tragfähigkeit. Schiffe dieser Art wurden auch im Hafen von Haithabu gefunden.
Viele im Museum angesprochene Themen finden bei den Wikinger Häusern eine experimentelle Fortsetzung – nun auch das Thema Bootsbau. Im Vordergrund des Projektes „Schiffsschmiede“ stand der Bau eines Bootes auf traditionelle Weise mit historischen Werkzeugen. Dabei wurde den Besuchern vor Augen geführt, wie ohne Ingenieurskunst, Messung und Berechnung eine Bootsform gedacht und gebaut wurde und welche Regeln und Konventionen aus den Naturzusammenhängen entwickelt und angewendet wurden. Entstanden ist ein Boot vom Typ Tendering, knapp zehn Meter lang und 2 Meter breit. So ein Boot hatte meist zwischen 5 bis 12 Personen Besatzung – bis zu zehn Ruderer fanden an Bord Platz.
Fotos: Claudia Janke / Schloss Gottorf

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