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Das fehlende 11. Jahrhundert – die bisherige Interpretation

Mit dem Tod Kaiser Ottos II. im Jahr 983 beginnt gegen Ende von Harald Blauzahns Regentschaft (958-987) eine neue Phase dänischer Hegemonie in Südskandinavien, die unter Haralds Nachfolgern Sven Gabelbart (987-1014), Harald (1014-18) und Knut (1018-35) mit der Erlangung der Herrschaft über England seit 1013 auch das Nordseegebiet mit umfasst.

Die Auswirkungen auf Dänemark sind vielfältig und reichen von möglichen angelsächsischen Einflüssen bei der Missionierung und der Errichtung des Pfarrsystems über das Münzwesen bis hin zur gegenseitigen Beeinflussung des Lebensstils der Eliten auf beiden Seiten der Nordsee, ersichtlich etwa beim Reitzubehör. Die Stellung Haithabus in dieser Entwicklung ist bislang wenig erforscht worden, schienen doch bislang Befunde und Fundmaterialien für diese Zeit zu fehlen. Nach H. Jankuhn verliert das Handelszentrum Haithabu um 1000 seine internationale Bedeutung, was mit dem archäologischen Befund in Einklang zu stehen scheint: Weder Baubefunde noch nennenswerteres Fundmaterial des 11. Jahrhunderts sind lange Zeit bekannt gewesen, das letzte Dendrodatum aus der Siedlung stammt aus dem Jahr 1020 und gehört zu einem Brunnen. Auch J. Callmer betonte den Niedergang Haithabus seit den 980er und 990er Jahren, verweist jedoch auf die Möglichkeit, dass die jüngsten Besiedlungsschichten zerstört und aberodiert sein könnten.

Auch ein Funktionsübergang bzw. eine Siedlungsverlagerung vom Südufer der Schlei – also von Haithabu – an das Nordufer – in den Bereich der mittelalterlichen Stadt Schleswig – im 11. Jahrhundert vor ca. 1050/70 lässt sich bislang jedoch nicht mit realen archäologischen oder historischen Fakten belegen. Die Diskrepanz zwischen archäologischem Befund und historischer Interpretation ist bislang nicht überzeugend aufgelöst. Zudem wird die Situation erschwert durch die unterschiedliche Namenstradition: Bei der Verwendung von Haiðaby in altnordischen Quellen bzw. von Sliaswich in lateinischen Dokumenten bleibt oftmals unklar, welcher Ort nördlich oder südlich der Schlei konkret gemeint ist. Historisch belegt sind wiederum Plünderungen und Zerstörungen von Schleswig/Haithabu: 1050 durch den norwegischen König Harald Hardråde und 1066 durch westslawische Stämme.

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