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Der aktuelle Forschungsstand

Gegen die Sichtweise eines deutlichen Niedergangs im späten 10. Jahrhundert sprechen auch die bislang bekannten Schiffwracks im Hafen von Haithabu, die allesamt erst aus der späten Wikingerzeit stammen: Das qualitätvolle Kriegsschiff Wrack 1 wurde um 985 gebaut und sank zwischen 990 und 1010 im Hafen von Haithabu, es wird teilweise von jüngeren Hafenanlagen überbaut. Erst um das Jahr 1023 wird Schiff 3 gebaut, mit 60 Tonnen geschätzter Ladekapazität gehört es zu den größten Handelsschiffen der Wikingerzeit überhaupt.

Wichtiger Bestandteil des Fernhandels ist die Münzprägung, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts immer stärker die Gewichtsgeldwirtschaft zurückdrängte, auch wenn weiterhin davon ausgegangen werden kann, dass aufgrund der Währungsvielfalt die unterschiedlichen Münzen abgewogen wurden. Für Haithabu wird auch im 11. Jahrhundert eine Münzstätte der dänischen Könige von Knut bis Sven Estridsen (1047-1074) angenommen, deren Umfang und Bedeutung jedoch bislang nur schwer abzuschätzen ist.

Verbreitung von Otto-Adelheid-Pfennigen in Haithabu

Die zahlreichen Neufunde sogenannter Otto-Adelheid-Pfennige zeigen anschaulich den enormen Anstieg des archäologischen Fundmaterials durch die jüngsten Geländeaktivitäten. Diese von etwa 990 bis in die 1030er Jahre im Harzgebiet geprägten Pfennige belegen zudem die Bedeutung der Handelsbeziehungen Haithabus mit dem damaligen ottonisch-salischen Reich.

 

Ein völlig neues Bild von Haithabus Spätzeit ergibt sich jetzt durch die große Anzahl von Metalldetektorfunden, die sicher Haithabus Spätphase zugewiesen werden können. Von bislang eindeutig der Zeit nach 983 zuordenbaren Münzen konnten alleine aus den Detektorbegehungen mittlerweile 63 Denare bestimmt werden. Sie stammen aus dänischen und überwiegend deutschen Münzstätten und datieren bis in die späten 1040er Jahre. Damit weist Haithabu einen der umfangreichsten Fundmünzhorizonte für das 11. Jahrhundert in West- und Nordeuropa auf, keine dänische Stadt oder Münzstätte des 11. bis 12. Jahrhunderts bietet zur Zeit mehr Fundmünzen dieser Zeitstellung. Die nunmehr jüngste Fundmünze aus Haithabu stellt ein kleines Denarfragment aus der Kulturschicht unterhalb des Pflughorizonts dar, das 2005 während der Ausgrabung geborgen wurde. Es handelt sich um einen in der Münzstätte Jever im Herzogtum Sachsen zwischen ca. 1060 und 1086 geprägten Denar des Grafen Hermann, eines Bruders des sächsischen Herzogs Ordulf .

Jüngste Fundmünze aus Haithabu

Die bislang jüngste Fundmünze aus Haithabu ist dieses kleine Fragment eines Denars. Die Silbermünze wurde zwischen ca. 1060 und 1086 in Jever im Herzogtum Sachsen geprägt. Sie wiegt nur 0,16 g.


Somit scheinen Handel, Markt und Herrschaft – nämlich die Herrschaft der dänischen Könige Sven Gabelbart, Knut der Große, Hardeknut, Magnus und Sven Estridsen – als die Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt also auch für das 11. Jahrhundert in Haithabu noch vorhanden zu sein.

Auf die weitere Anwesenheit einer Elite im 11. Jahrhundert verweisen zahlreiche Gegenstände des Reitzubehörs wie Fragmente von Pferdezaumzeug und Steigbügelbeschläge unterschiedlicher Typen sowie Fibelschmuck im Urnesstil und andere spätwikingerzeitliche Schmuckformen. Die gut datierbaren Metallkleinfunde treten somit neben die jüngste Warenart der Importkeramik (blaugraue Ware).

Mit Hilfe der neuen Feldforschung – ausgehend von der geophysikalischen Prospektion über Metalldetektorbegehungen bis hin zu gezielten neuen Ausgrabungen wird sich das Bild von Haithabu – insbesondere für seine Spätphase, das bislang wenig erforschte 11. Jahrhundert – in den kommenden Jahren maßgeblich verändern.

Fragmente von Trensen aus Haithabu und Schleswig

Charakteristischer Bestandteil von Pferdezaumzeug des 11. Jahrhunderts sind diese Riemenschlaufen, die zum Teil wegen der Belastung durchgebrochen sind. Die meisten Zaumzeugbeschläge stammen aus Haithabu, das Objekt unten rechts aus der Schleswiger Hafengang-Grabung.

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