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Die Methodik

Die etwa 340 Zeichnungen mit ihren zusätzlichen Angaben bilden die Kernquelle für die Erforschung des Schleswiger Hafenviertels. Um dieser Informationsmenge Herr zu werden, ist seit Projektbeginn damit begonnen worden, sämtliche Zeichnungen zu digitalisieren.

Im Rahmen des Projektes zeigt sich Kerstin Greve dafür verantwortlich. Die Zeichnungen werden zunächst mit einem Großformatscanner eingescannt und ihre digitale Version, nach einer kurzen Bearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm, in das Geographische Informationssystem (GIS) ArcMap 10 von ESRI importiert. Dort werden sie, dem für die Grabung eingerichteten lokalen Koordinatensystem folgend, georeferenziert. Die Einpflegung der Daten in das entsprechende Gauß Krüger Koordinatensystem wird erst nach Abschluss der Digitalisierung erfolgen, um während der Arbeit eine maximale Rechenleistung des Computers zu gewährleisten. Eine Haupttätigkeit besteht dann in der eigentlichen Digitalisierung, dem Abzeichnen der Befunde auf den Plänen als Features im GIS. Im Vorfeld sind schon standardisierte Rohshapes zu verschiedenen Informationsgruppen wie Holz, Stein, Verfärbung und Nivellement erstellt worden. Sie gewährleisten während der Digitalisierung die Einheitlichkeit der einzelnen digitalisierten Plana. Von größtem Interesse sind dabei die Holzshapes, da die Hölzer die mit Abstand relevanteste Befundgruppe mit dem meisten Informationsgehalt darstellen. Mit jedem Shape ist eine Tabelle verknüpft, in der während des digitalen Abzeichnens sämtliche auf der Zeichnung enthaltenen Informationen zu den einzelnen Features vermerkt werden. Diese beinhaltet unter anderem Attribute wie Dendroprobennummern und Nivellements, Angaben zur Beschaffenheit von Ober- und Unterkanten der jeweiligen Hölzer sowie mögliche Hinweise auf Bearbeitungsspuren und etwaig aufgetretene Probleme. Aus allen digitalisierten Plana einer Fläche wird dann im Anschluss ein Shape erstellt, das alle gezeichneten Hölzer einer Fläche summiert. Dies dient dazu, festzustellen, welche Hölzer über mehrere Plana hinweg gezeichnet wurden und die einzelnen Holzfeatures mithilfe einer ID-Vergabe als von einem Holz stammend zu kennzeichnen. Um eine Zusammengehörigkeit im Durcheinander der Holzfeatures der übereinandergelegten Shapes festzustellen, ist es oftmals hilfreich, ihr dreidimensionales Verhältnis zueinander betrachten zu können. Dafür wird mithilfe des Programmes ArcScene auf Basis der Ober- und Unterkantennivellements der Features ein vorläufiges und vereinfachtes 3D-Modell der entsprechenden Fläche erstellt. Nach der vollständigen ID Vergabe, wird dann letztendlich mithilfe einer entsprechenden Spalte in der Attributtabelle jeweils nur ein Feature eines Holzes, meist das zuletzt im tiefsten Planum auftretende, dargestellt. Aus diesen Features wird ein ideales Holzshape erstellt, das als Grundlage für die weitere Vorgehensweise dient. Im Idealshape werden zunächst die fehlenden Attribute ergänzt. Das sind vor allem diejenigen Informationen, die nicht direkt von den Zeichnungen abgelesen werden konnten, sondern am Holz Feature gemessen (Durchmesser, Länge, Breite, etc.) oder bestimmt (Querschnitt, Bearbeitungsspuren) werden müssen. Erst dann, wenn alle relevanten Informationen aus den Zeichnungen in die Attributtabellen geflossen sind, ist die Datenbasis geschaffen, um mit der eigentlichen Analyse der Hölzer zu beginnen. Dies geschieht mithilfe der Definition von Gruppen einander zugehöriger Hölzer. Ob Hölzer Teil einer Gruppe sind, entscheidet sich über ihr Lageverhältnis zueinander und bestimmter gleicher Attribute, wie Fälldaten, Eintiefungsgrade, Brandspuren usw. Hierbei erweist sich die Erstellung eines weiteren, durch die Idealshapes wesentlich differenzierteren 3D-Modells als äußerst nützlich. Letztendlich werden aus den Gruppen Strukturen zusammengesetzt, worunter Bohlenwege, Spundwände, Häuser, Zäune und ähnliches fallen. An ihnen wird dann die eigentliche Interpretation des Areals festgemacht.

Parallel zum GIS erfolgt zudem der Aufbau einer Access Datenbank für die einzelnen Hölzer. Sie wird zum einen mit den Informationen aus der Attributtabelle des GIS, zum anderen aus externen Quellen wie den dendrochronologischen Untersuchungen gespeist und enthält dadurch mehr und detailliertere Informationen. Neben der besseren Verwaltung der Datenmengen ermöglicht es die Datenbank über Abfragen und eine größere Anzahl an Eigenschaften, Gruppen leichter zu definieren.

Die Grundzüge der hier vorgestellten Methodik, wurden von Joachim Schultze für die Siedlungsgrabungen von Haithabu entwickelt und auch von Sven Kalmring für die Auswertung des Hafens von Haithabu verwendet. Für ihre Anwendung auf die Ausgrabungen im Schleswiger Hafenviertel spricht vor allem zweierlei. Zum einen ist, wie bereits oben angeführt, die Dokumentation der Ausgrabungen von Haithabu und Schleswig nahezu identisch. Von daher ist die Vorgehensweise bei der Auswertung bereits zu einem hohen Maße an die Quellenbedingungen angepasst. Zum anderen hat sich die Methodik bereits mehrfach bewährt und als ausgesprochen effektiv erwiesen. Neben diesen deutlichen Vorteilen ließ ihre Anwendung auf Schleswig auch individuelle Veränderungen zu. So konnten bestimmte Elemente der Methodik verfeinert und die Komplexität der Attributaufnahme auf die Befundsituation zugeschnitten werden. In der Quintessenz war sie somit auch dem dreijährigen Förderungsrahmen des VW-Forschungsprojektes optimal anpassbar.

Digitalisierung von Grabungsplänen

Digitalisierung von Grabungsplänen. Rechte Bildhälfte: Teil eines gezeichneten Grabungsplans von 1974 mit zusätzlichen Informationen zu Tiefe, Unterkantenbeschaffenheit und Neigung der Hölzer. Linke Bildhälfte: bereits abgeschlossene Digitalisierung.

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