Benutzerspezifische Werkzeuge

Metallverarbeitung im Spätneolithikum sowie der Frühen Bronzezeit im Norden

Ein Experiment: Mit Blasrohren wird die Feuerglut angeheizt. Foto: Schloss Gottorf
 
Ein Experiment: Mit Blasrohren wird die Feuerglut angeheizt. Foto: Schloss Gottorf

Dr. Mechtild Freudenberg
Ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit Dr. Barbara Regine Armbruster vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) Toulouse und Dr. Leif Glaser vom Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) Hamburg.

Reiche Gräber der Glockenbecherkultur weisen gelegentlich einen steinernen Amboss und weitere Werkzeuge zur Metallverarbeitung auf. Die ehemaligen Besitzer gelten als weitgereiste Handwerker, die für die Verbreitung der Kenntnis der frühen Metallurgie in Europa verantwortlich waren. Auch aus Schleswig-Holstein sind einige dieser Werkzeuge bekannt. Im Jahr 2005 begann eine kulturhistorische Untersuchung der Steingeräte zur Metallbearbeitung in Schleswig-Holstein. Seitdem ist die Materialaufnahme des veröffentlichten Materials in Deutschland und in den Staaten Osteuropas sowie der britischen Inseln erfolgt.
Ausgehend von zwei steinernen Ambossen aus der Wakenitz bei Groß Sarau, Kr. Herzogtum Lauenburg, wurde der Materialbestand des Archäologischen Landesmuseums nach weiteren Steingeräten zur Metallbearbeitung durchsucht. Es gelang, im Magazin eine Reihe von Hämmern aber auch anderen Ambossformen zu identifizieren, so dass das Spektrum der bisher bekannten Stücke deutlich erweitert werden konnte.
Eine wesentliche Rolle bei den Forschungsarbeiten spielt die Frage nach der Funktion der Werkzeuge. Zunächst richtete sich das Interesse auf Metallabrieb auf den Oberflächen, Beschädigungen und Hinweise auf Abnutzungen.
Andere Fragen, z.B. nach der Handhabung der Werkzeuge, ließen sich nur mit Hilfe von Experimenten klären. Mit einem Satz von Nachbauten erfolgten zunächst Versuche zum Schmieden von Edelmetall. Dabei wollten wir die Arbeitsspuren sowohl auf den Werkzeugen als auch auf den Werkstücken mit den Originalen vergleichen.
Ein weiterer Schritt waren Untersuchungen zur Herstellung des spätneolithischen Beiles von Ahneby, Kr. Schleswig-Flensburg. In Zusammenarbeit mit der Howaldtschen Metallgießerei in Kiel wurden in modernem Gussverfahren Nachbildungen hergestellt und Techniken der Oberflächenbearbeitung mit Steinhämmern, Feuersteinklingen und zur Verzierung mit Stein- und Bronzewerkzeugen getestet. Gleichzeitig sollten die Nachbildungen als Muster zum Vergleich mit dem Original dienen. Wie war das Original hergestellt worden? Hatte man die Oberfläche geschmiedet oder geschliffen? Waren die Verzierungen mitgegossen oder nachträglich eingetieft worden? Zur Beantwortung dieser Fragen konnten nur zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden weiterhelfen.
Durch ein gemeinsam mit dem Physiker Dr. Leif Glaser vom Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) beantragtes Forschungsprojekt wurde im März 2010 eine Zusammenarbeit mit dem DESY in Hamburg gestartet, um Arbeitsspuren an spätneolithischen Beilen zu analysieren und sie mit denen der von uns im Rahmen des Projektes „Steingeräte zur Metallverarbeitung“ hergestellten Objekten zu vergleichen. Für die ersten Experimente wurde eine Reihe von Synchrotron basierten Methoden ausgewählt. Für die Strukturuntersuchungen der Oberflächen wurden Diffraktionsanalysen eingesetzt sowie Röntgenfluoreszenzanalysen um Informationen zur Oberflächenchemie zu erhalten.

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