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Haithabu in der jüngeren Wikingerzeit

Luftbild des Siedlungskomplexes von Haithabu von Osten. Das zentrale Siedlungsareal wird von einem mächtigen, 1,3 km langen Halbkreiswall umschlossen. Foto ALSH.
 
Luftbild des Siedlungskomplexes von Haithabu von Osten. Das zentrale Siedlungsareal wird von einem mächtigen, 1,3 km langen Halbkreiswall umschlossen. Foto ALSH.

Dr. Volker Hilberg

Auf der Suche nach dem Niedergang eines Handelsplatzes –
Haithabu in der jüngeren Wikingerzeit

Der wikingerzeitliche Seehandelsplatz von Haithabu bei Schleswig entwickelte sich seit dem frühen 9. Jahrhundert
n. Chr. aufgrund seiner geostrategisch bevorzugten Lage an der Südgrenze des frühmittelalterlichen dänischen Reiches zu einem politischen und wirtschaftlichen Zentrum internationalen Ranges. Das von einem gut erhaltenen Wall seit der Mitte des 10. Jahrhundert umschlossene Siedlungsareal umfasst eine Fläche von etwa 25,5 Hektar. Seit dem Jahr 1900 liegt die Erforschung in den Händen des Archäologischen Landesmuseums, das  umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt hat. Durch eine fehlende moderne Bebauung ergeben sich einmalige Möglichkeiten für eine flächendeckende Erforschung. Seit 2002 wird mit modernen geophysikalischen Prospektionsmethoden (Magnetik, Radar, Geoelektrik) das gesamte Siedlungsgelände untersucht. Die hierbei festgestellte umfangreiche Konzentration von Siedlungs- und Grabbefunden weist auf eine dichte Nutzung  des gesamten Innenareals in der Wikingerzeit. Von 2005 bis 2010 konnte in enger Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein eine kleinere Fläche im nordwestlichen Innenbereich ausgegraben werden, die zahlreiche Werkstatt- und Siedlungsbefunde der jüngeren Phase Haithabus aus dem 10. bis 11. Jahrhundert erbrachte.

Ergänzt werden diese Untersuchungen durch systematische Metalldetektor-Prospektionen, die in den Jahren 2003 bis 2007 mit den Bornholmske Amatørarkæologer und der Detektorgruppe des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein durchgeführt wurden. Hierbei wurden inner- wie auch außerhalb des Halbkreiswalles etwa 11.500 präzise eingemessene Metallobjekte geborgen. Neben neuzeitlichen Metallfunden datieren die meisten Objekte in die Wikingerzeit, erstmals liegen ganze Serien einzelner Objektgruppen vor.

Dank der neuen Feldforschungen wird sich in den nächsten Jahren das Bild von Haithabu in seiner Spätphase, dem bislang wenig bekannten und erforschten 11. Jahrhunderts, maßgeblich verändern. Hierbei stehen vor allem Fragen zu Haithabus Ende und seinem Siedlungsabbruch sowie die Gründe für die Siedlungsverlagerung an das Nordufer der Schlei, in den Bereich der Stadt Schleswig, im Mittelpunkt des Interesses.

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